Samstag, 22. Mai 2021. Beginn der Pfingstferien in Baden-Württemberg. Zwei Wochen freie Zeit liegen vor uns, und am liebsten würden wir sofort ein paar Dinge zusammenpacken und verreisen. Aber wohin? Fliegen wollen wir noch nicht und ins Ausland auch nicht unbedingt. Und leider ist der Wetterbericht für die meisten deutschen Urlaubsziele eher mäßig. Also entscheiden wir uns für Urlaub zuhause, mal wieder. Aber dieses Mal anders. Wir wollen “so richtig” Urlaub machen, abschalten vom Alltag, rausgehen, sich um nichts kümmern müssen. Naja, so ganz lässt sich das zugegebenermaßen nicht umsetzen, außer es findet sich jemand der für die nächsten zwei Wochen bei uns einziehen und den Haushalt managen will? 😉
Jedenfalls wollen wir ein paar Wander- und Spazierrouten in der näheren Umgebung erkunden und uns mal wieder davon überzeugen, wie schön unser Hohenloher Ländle doch ist. Diese Touren werden wir hier im Blog sammeln und fotografisch dokumentieren.
Der Sanzenbacher Hangweg aka "Der Rehweg"
Startpunkt unserer Route ist der Grill- und Spielplatz Kelterbuckel der Gemeinde Rosengarten. Dort findet sich auch eine Infotafel “Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald” mit drei vorgeschlagenen Wanderrouten. Wir entscheiden uns für den Sanzenbacher Hangweg, der mit dem Reh-Symbol gekennzeichnet ist. Ein leichter Spaziergang mit wenig Höhenmetern und schönen Ausblicken, auch auf das Biotop “Herrschel See” – klingt doch super für den Anfang!
empfohlene Jahreszeit: ganzjährig gut begehbar, zur Rapsblüte sehr empfehlenswert.
Der erste Teil des Weges schlängelt sich in den idyllischen Wald hinein. Wir genießen die Ruhe des Waldes sehr und können sogar ein Eichhörnchen beobachten. Ab und zu geben die Waldbäume auch einen Blick in die Ferne frei. Am Wegesrand entdecken wir einzelne Rapsblüten, deren Samen der Wind wohl bis in den Wald hinein getragen hat. Hier können wir unglaublich viele Schmetterlinge beobachten und fotografieren – und schwupps, schon fühlt es sich doch tatsächlich wie Urlaub an!
Nach einiger Zeit führt der Weg aus dem Wald heraus und offenbart uns eine tolle Weitsicht in Richtung Schwäbisch Hall. Doch wir biegen direkt wieder nach rechts in den Wald hinein ab. Achtung, hier ist das Reh-Symbol heruntergefallen und man muss aufpassen, dass man die Abzweigung nicht verpasst. Nun nähern wir uns dem Herschel See und einer Bank, die zur Rast einlädt. Etwa 3 km des Weges liegen nun hinter uns. Ein teilweise matschiger Pfad führt uns entlang des Sees und Sumpfgebietes weiter, bis wir schließlich den Wald verlassen und am Waldrand – mit herrlichem Ausblick – weiter wandern. An Waldrand finden wir immer wieder traumhaft schöne Blumen, die ebenfalls fotografisch festgehalten werden.
Nun geht es weiter bis zu den erste Häusern von Sanzenbach, bei denen wir uns rechts halten und dann auf dem Haselweg weiter wandern. Das Reh-Symbol weist auch hier den Weg, wenn man aufmerksam bleibt. Zwischen leuchtenden Raps- und Getreidefeldern wandern wir wieder zurück zum Parkplatz. Wir haben Weitsicht zum Einkorn, Rosengarten, Schwäbisch Hall und Michelfeld. Kurz kommt uns der Vergleich mit dem Allgäu oder Alpenvorland in den Sinn – aber unser Hohenlohe ist eigentlich unvergleichlich. 🙂
Jagsttalrunde - von Bächlingen über Umwege nach Langenburg
In Bächlingen gibt es an der alten Kelter ein paar Parkplätze, die sich als Ausgangspunkt für diese wunderschöne Runde durch das Jagsttal anbieten. Von dort aus wandern wir entlang der Jagst bis nach Klein-Hürden, dann über die Völkersklinge hinauf auf die Hohenloher Ebene bis nach Morstein. Dort steigen wir wieder hinab zur Jagst, überqueren diese und steigen auf der anderen Seite des Jagsttales wieder hinauf bis wir schließlich Langenburg erreichen, von wo aus es ein Katzensprung zurück nach Bächlingen ist. Die Runde ist zum Großteil mit einem grünen Baum über rotem Strich gekennzeichnet.
Eckdaten:
Distanz: 17 km
Dauer: 4:30 h
Höhenmeter: ⬆422m , ⬇943m
Wegebeschaffenheit: 70% Asphalt, 30% Singletrails durch den Wald
empfohlene Jahreszeit: Herbst, Winter und Frühjahr. Im Sommer können die schmalen Waldpfade zugewuchert sein.
Highlights: Schloss Langenburg und der Blick darauf aus unterschiedlichen Perspektiven, Angusrinder, Lamas und Vogelstrauße in Großforst, Schafkäserei Langenburg mit Hofladen
Wir gehen links an der Kelter vorbei in Richtung Dorf, überqueren dann aber gleich wieder rechts die Jagst. Die Bächlinger Archenbrücke ist übrigens die längste freitragende Holzbrücke Deutschlands in dieser Bauweise. Auf der anderen Seite entdecken wir eine kleine, mit Wasser gefüllte Höhle. Wir halten uns links und gehen in Richtung Jagst. An heißen Sommertagen kann man sich am Wehr wunderbar abfrischen und baden.
Impressionen aus Bächlingen.
Hier lohnt es sich schon bevor die Wanderung überhaupt beginnt, die Kamera auszupacken!
Wir spazieren nun ca. 3 km erst auf Wiesenwegen, dann auf dem asphaltierten Radweg an der Jagst entlang bis wir zu den ersten Häusern von Klein-Hürden gelangen. Hier kann man Altes und Seltenes an einem Outdoor-Antiquitäten-Selbstbedienungs-Stand mitnehmen, oder auch nicht. 🙂
An diesem Flohmarktständchen gehen wir jedenfalls rechts nach oben, bis wir auf einen grasbewachsenen Waldweg in die Völkersklinge, einem tief eingeschnittenen Bachtal, kommen. Der Pfad wird immer schmaler und bei der Abzweigungen muss man sich links halten, um auf der Route zu bleiben. Wer sich nicht die kompletten Beine an den Brennnesseln verbrennen will, sollte unbedingt eine lange Hose tragen! Wer das Bild genau betrachtet wird feststellen: Sie spricht aus Erfahrung!
Dieser Wegabschnitt ist Ende Mai schon sehr zugewuchert, weshalb ich mir gut vorstellen kann, dass man den Weg im Sommer gar nicht erst findet. Außerdem sollte man aufpassen, dass sich keine ungebetenen Gäste wie Zecken in die Hosenbeine verirren. Auch hier kann ich eine gewisse Erfahrung vorweisen.
Oben angekommen geht es nach links bis zur Straße K2545, der wir knapp 500m nach links folgen. Dann biegen wir auf einen Feldweg nach links zum Waldrand ab, um dann nach rechts am Wandrand entlang weiter zu wandern. Hier entdecken wir auch wieder die Markierung grüner Baum über rotem Strich. Wir folgen dem Symbol und gehen einen für diesen Wanderweg ausgeschriebenen Umweg bis wir zwischen Dünsbach und Morstein aus dem Wald herauskommen. Wir halten uns links, gehen kurz an der Straße entlang bis nach Morstein, und steigen im Ort nach links hinunter bis nach Kleinforst.
Unten im Tal gehen wir über die Brücke nach Großforst, und erreichen die sogenannte Jagsstalranch. Die ersten Ranch-Bewohner kann man von Mai bis Oktober schon von Weitem auf der Weide entdecken: schwarze Angusrinder. Im Garten oder hinter der Ranch entdeckten wir dann auch noch Lamas und Vogelstrauße. Es gibt kaum einen idyllischeren Ort für eine Mittagsrast. Der Garten der Ranch ist so groß, dass der mittlerweile so wichtig gewordene Abstand zu den anderen Wanderern und Gästen überhaupt kein Problem darstellt.
An Sonn- und Feiertagen hat dort sogar das Hofcafé geöffnet und neben Kuchen und Eis kann man hier die absolut leckersten Waffeln aus Straußeneiern genießen. Getoppt mit Puderzucker, Früchten, Eis oder Sahne sind sie wirklich ein Genuss. Unbedingt probieren!
Frisch gestärkt für den nächsten Anstieg geht es weiter. Wir wandern nach der Jagsttalranch links und dann bei der Stromleitung geradeaus auf den Grasweg, der uns bergauf führt. Hier kann man nun geradeaus nach oben bis nach Binselberg laufen. Wir verlaufen uns hier allerdings und folgen dem Holzschild “Langenburg” erst nach links, um dann später im Wald wieder rechts in Richtung “Michelbach” zurückzulaufen. Irgendwann kommen wir jedenfalls auch in Binselberg an. 🙂 Von Binselberg aus wandern wir weiter in Richtung Langenburg und biegen bei einem Baum mit Rast-Bänkchen links ab. Nachdem wir direkt an einem Windrad vorbeigekommen sind, biegen wir rechts ab und sehen schon von Weitem die Stallungen der Langenburger Schafkäserei.
Hier kann man direkt ab Hof leckere Käse- und Fleischspezialitäten sowie Bio-Eis aus Schafsmilch erwerben. Auch ein paar idyllische Sitzgelegenheiten mit Blick auf die Schafsweide gibt es, sodass man sein Eis direkt vor Ort in Ruhe genießen kann. Der Hofladen ist Mo – So von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.
Nun sind wir Langenburg schon sehr nahe. Wir erhaschen noch einmal einen tollen Blick auf das Schloss, bevor wir, am Mawell-Resort vorbei, bis in die Stadt hinein weiter wandern. Auch hier gibt es viele Eisdielen und die berühmten Langenburger Wibele – verhungern muss man in Hohenlohe definitiv nicht! Wir spazieren bis zum Schloss, welches man auch wunderbar umrunden kann, und bewundern den akribisch angelegten Schlossgarten.
Wir steigen links die Treppen hinab bis zum Schlosscafé, gehen an selbigem vorbei und wandern schließlich zurück nach Bächlingen, um unsere Runde zu schließen. Eine wirklich idyllische Runde mit kleinen kulinarischen Highlights!
Schon seit Langem hatten wir uns überlegt eine mehrtägige Wanderung nur mit dem Rucksack, aber dafür mit festen Unterkünften, zu machen. Ganz oben auf unserer Liste steht der Salzpfad, oder auch Southwest Coast Path, in England. Im Herbst diesen Jahres wollten wir aber die Gunst der Stunde nutzen und entschieden uns dafür, dem GR 221 auf Mallorca eine Chance zu geben. Da die Herbstferien erst Ende Oktober starteten, erschien uns der Mittelmeerraum als eine gute Möglichkeit auf mildere Temperaturen und niederschlagsfreies Wetter. Kurz vor unserem Abflug verfolgten wir aber mit einer gewissen Unruhe und Nervosität den Wetterbericht für die Balearen: Regen und schwere Stürme (inklusive Gewitter) standen für unseren Reisezeitraum auf dem Programm. Wie ein Kutter auf hoher See schwankten wir zwischen Stornieren und Durchziehen. Letzten Endes überwog die Abenteuerlust und der Wunsch nach Tapetenwechsel und so beschlossen wir kurz vor unserem geplanten Abflug es doch zu wagen. Am nächsten Tag deckten wir uns noch mit neuen Regenhosen ein um für den Fall der Fälle, der ja so unwahrscheinlich nicht war, gerüstet zu sein – und das war eine kluge Entscheidung!
Planung der Reise
Die weiteren Reisevorbereitungen ergaben sich mehr oder weniger aus den vorgeschlagenen Routen des Rother Wanderführers “Mallorca – GR 221”, sowie der Buchung von Unterkünften über booking.com. Das Schöne an der Route sollte sein, dass man abends stets in kleineren oder größeren Orten ankam, an denen Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung kein Problem sein sollte.
Die einzelnen Tage unseres Urlaubs bzw. Etappen der Wanderung gliederten sich wie folgt auf:
Tag 1: Ankunft Palma de Mallorca und Bustransfer nach Estellencs
Tag 2 – 5: vier Tagesetappen von Estellencs nach Port de Soller (siehe unten)
Tag 6: Abflug Palma de Mallorca
Bei den Etappen entschieden wir uns für vier der insgesamt 13 möglichen. Da wir diese Region Mallorcas schon aus vorherigen Urlauben kannten, erschienen uns die ausgewählten Etappen sehr reizvoll. Wir mussten auch feststellen, dass fünf Stunden wandern pro Tag eine wirklich gute Dauer sind, so dass man morgens noch in Ruhe frühstücken kann und doch nach der Ankunft am Ziel noch genügend Zeit hat zu relaxen und die Orte zu erkunden.
Der GR 221 (Gran Reccorrido) nennt sich auch der Weg der Trockensteinmauern (Ruta de Pedra en Sec), da er über weite Abschnitte an eben diesen entlang führt. Die einzelnen Etappen gingen grob zusammengefasst etwa 5 Stunden, waren 15 km lang und überwanden dabei 600 Höhenmeter. Wie auf der Karte zu sehen ist, zieht der GR 221 sich von Süd nach Nord an der Westküste Mallorcas. Beginnen kann man ihn in Port d’Andratx und beenden in Puerto de Pollenca
Packen des Wanderrucksacks
Da dies unser erster Urlaub sein sollte, den wir lediglich mit Wanderrucksäcken bestreiten wollten, war das Packen diesmal von größerer Bedeutung als sonst. Mareike hatte sich auf diversen Blogs informiert und dabei herausgefunden, dass das Gesamtgewicht des Rucksacks zwischen acht und zehn Kilogramm liegen sollte. Dementsprechend wichtig war es sich auf die nötigsten Gegenstände zu beschränken. Insgesamt ist es uns richtig gut gelungen sinnvoll zu packen und wir können tatsächlich bestätigen, dass das Gewicht soweit für die vier Etappen mit den geleisteten Höhenmetern in Ordnung bzw. angenehm war. Bedenkt man, dass es Spätherbst war und wir sowohl regendichte Kleidung, wie auch wärmende Schichten berücksichtigen mussten, so kann man davon ausgehen, dasss man sich im Sommer sogar noch das ein oder andere Kilo sparen kann. Unsere Deuter-Rucksäcke, inklusive Regenschutzhülle, (Männervariante: 40+10 Liter, Damenvariante: 35+10 Liter) mit richtig gut gepolsterten Gurten, erwiesen sich dabei als perfekte Begleiter.
Dies war die Ausrüstung, die wir im Rucksack verstauten. Hinzu kamen natürlich noch die Kleidung die wir trugen (Regenjacke, Fliesjacke, Wanderhose, Wanderschuhe), sowie die Verpflegung für die Wanderung selbst
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Und so stiegen wir im grauen, kalten Regen Stuttgarts in den Flieger Richtung Süden und sollten zwei Stunden später im warmen Sonnenschein Mallorcas landen.
Hier geht’s zu den einzelnen Etappen der Wanderung:
Heute gibt es einen etwas anderen „Urlaubs-Tipp“. Da es uns aufgrund der aktuellen Lage nicht wirklich in fremde Länder zieht, erkunden wir nämlich seit einigen Monaten jedes Wochenende radelnd oder wandernd eine andere Richtung unserer Heimat.
Nachdem wir im März und April bereits zwei Etappen des Kochersteigs gewandert sind, haben wir uns gestern spontan entschlossen, die 3. und letzte Etappe zu wandern. Schnell Vesper gerichtet, die Kamera und alles nötige eingepackt und los ging’s mit dem Auto ins Jagsttal, nach Heimhausen. Dort starteten wir gegen 11:15 Uhr unsere Samstags-Wanderung, immer entlang der blau-orangenen Schilder, welche den Kochersteig markieren.
Zunächst kehren wir der Jagst den Rücken zu und steigen über eine Wiese und durch ein kleines Waldstück hinauf auf eine Hochebene. Dort führt uns der Weg entlang einiger Weizen- und Maisfelder bis nach Eberbach. Auf dieser Ebene muss es irgendwann rechts nach unten gehen, dieses Schild haben wir jedoch verpasst und Eberbach somit erst durch einen kleinen Umweg erreicht. Aber halb so schlimm – die zusätzliche Mühe wurde mit der Sichtung eines Rehs belohnt, welches unmittelbar vor uns aus dem hohen Gras sprang!
In Eberbach biegen wir ins verkehrsfreie und wildromantische Rötelbachtal ein, welches zu den schönsten Tälern Hohenlohes zählt. Hier führt uns zunächst ein breiter Schotterweg entlang des Waldrandes, wo wir zahlreiche Schmetterlinge beobachten können, die sich an den blühenden Disteln ihren Nektar holen. Hier haben wir auch einen schönen Platz für ein Mittags-Picknick gefunden und schnell bemerkt, welch unglaublich entspannende Wirkung ein Tal ohne Verkehrslärm hat.
Schließlich führt uns der Weg hinunter zum Rötelbach. Der folgende Abschnitt ist zwar landschaftlich wirklich traumhaft, der Wanderweg ist allerdings hier teilweise nur ein schmaler, von Brennesseln zugewucherter Pfad, sodass die nächste Etappe tatsächlich etwas beschwerlich wird. (Eine lange Hose wäre hier in der Tat nicht schlecht gewesen…).
Unten am Rötelbach angekommen lohnt sich ein kurzer Erfrischung-Stopp inklusive kühlem Fußbad! 🙂 Sieht doch fast aus wie ein Bergsee in den Alpen, oder?
Nach einiger Zeit entlang des Rötelbaches erreichen wir schließlich die Hertensteiner Mühle. Ein ganz kurzes Stück führt uns der Weg nun an der Straße entlang, dann biegen wir wieder in einen Brennessel-Pfad ein.
Es geht nun noch ein Stück durch Wälder und an Wiesen vorbei, bevor wir die Hohenloher Ebene erreichen. Die Waldwege sind durchweg schattig und die leichte Steigung merkt man kaum. Geographisch müssten wir uns irgendwo zwischen Billingsbach und Raboldshausen befinden.
Irgendwann steigt der Weg etwas steiler an und auf einmal lichtet sich der Wald. Man findet sich inmitten wunderschöner Blumenfelder der Rieger-Hofmann GmbH wieder, welche sich aktiv für die Wildpflanzenvermehrung und regionale und biologische Vielfalt einsetzt. Entlang des restlichen Weges kommen wir immer wieder an solchen Blumenfeldern vorbei, die sich auch wunderbar als Fotomotive eignen.
Aber auch durch Weizenfelder führt uns der Kochersteig. Als ich so zwischen den Felder entlang wandere, eine leichte Brise auf der Haut spüre und den Geräuschen der Getreideähren lausche, kommt mir unweigerlich das Lied „Fields of Gold“ in den Kopf. Ja, genau das ist für mich Hohenlohe: Weite, schier endlos scheinende goldene Felder kombiniert mit unangetasteter Natur, Wildblumen, kleinen Wäldchen und brummenden Insekten. Nun führt uns der Weg weiter über hügelige Felder hinweg, am Billingsbacher See vorbei bis nach Blaufelden, unserem heutigen Ziel. Immer wieder sehen wir Graureiher, Echsen, Mäuse oder Rehe auf unserem Weg. Eine wunderschöne Wanderung quer durch die hiesige Natur geht nach ca. 5 Stunden Gehzeit und 20km zu Ende. Keine Menschenseele haben wir getroffen. Einerseits schade, dass scheinbar niemand anderes auf die Idee kommt, die eigene Heimat zu erwandern. Andererseits wunderbar, denn genau so stelle ich mir Urlaub vor. Nur die Natur, Marcel und ich. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Paradies doch so nah liegt?
Zum Vergrößern auf die Karte klicken.
Tourendaten:
Strecke: 19,81 km
Höhenmeter: 417
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Wegbeschaffenheit: Feldwege, unbefestigte Wege, schmale Pfade, einige Abschnitte auf geteerten Wegen
Kondition: mittel, für die ganze Tour ist allerdings ein wenig Durchhaltevermögen gefragt
Weitere Informationen zu dieser Etappe gibt es hier.
Von Oberstdorf zu Fuß über die Alpen bis nach Meran – die etwas anderen Flitterwochen!
Nach langen Überlegungen aufgrund der Corona-Lage, haben wir uns relativ spontan doch noch dazu entschlossen, in den Sommerferien wegzufahren. Nach ein bisschen Recherche und einer älteren Aufzeichnung der Sendung “Wunderschön – Über die Alpen wandern” war klar: Wir wollen wandern. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Wir wollen Berge besteigen, zu Fuß voran kommen, Natur erleben und körperlich etwas leisten. Wir wollen die Alpen überqueren. Aber können wir so etwas überhaupt schaffen?
Von vorne bis hinten den bekannten Fernwanderweg E5 zu wandern und in Massenschlaflagern in Berghütten zu übernachten schied von Anfang an aus – erstens wegen Corona, zweitens weil man bereits Monate zuvor Schlafplätze hätte reservieren müssen und drittens weil das einfach nicht so unser Ding ist. Relativ schnell hatten wir eine Alternative für uns gefunden: Eine Alpenüberquerung auf alternativen Routen, individuell und nur zu zweit – ohne Gruppe, ohne Guide, dafür mit Hotelkomfort und Gepäcktransport. Sodass man nur mit einem leichten Tagesgepäck unterwegs sein und sich nachts in aller Ruhe regenerieren kann. Für den Anfang also eine sehr verlockende Reise für uns! Gefunden haben wir die Reise übrigens bei ASI Reisen.
Etappe 1 – vom Kleinwalsertal ins Lechtal
12 km, ↑ 800m, ↓ 300m, 4,5h
Los ging es morgens mit dem Linienbus bis nach Baad im Kleinwalsertal – hier startete unsere erste Wanderung bei wahnsinnig tollem Wetter. Es ging zunächst entlang des Bärguntbaches in einem idyllischen Tal leicht bergauf. Nach ca. 45 min erreicht man die Bärgunt-Hütte (1408m), die allerdings noch geschlossen hatte, als wir dort ankamen. Also ging es direkt weiter, es folgte ein steilerer Aufstieg durch ein Waldstück. Oben wurden wir mit einer wunderschönen und weitläufigen Alm belohnt, auf welcher wir die ersten Allgäu-Kühe und auch Pferde beobachten konnten. Weiter ging’s bergauf zum Hochalppass (1938m). Oben angekommen genossen wir ein kleines Picknick mit Blick auf den großen Widderstein (2533m).
Von nun an ging es bergab – und schnell wurde uns klar, dass es eine sehr gut Idee war, Wanderstöcke mitzunehmen! Man ist wirklich sicherer im Auf- und besonders im Abstieg und entlastet die Kniegelenke. Wir hatten nun das Ski-Gebiet Warth-Schröcken im Blick und stiegen immer weiter ab bis zur Jägeralpe am Hochtannbergpass. Hier belohnten wir uns erst einmal mit Kaspressknödelsuppe und Schnitzel mit Pommes, bevor es weiter bis in den Ortskern von Warth ging.
In Warth angekommen fuhren wir mit dem Bus bis nach Hägerau/Steeg, wo unsere erste Unterkunft auf uns wartete. Voller Elan spazierten wir noch bis zum Hägerauer Wasserfall und zum Kneipp-Becken am Lech – eine wunderbare Erfrischung für müde Wanderbeine! 🙂
Etappe 2 – vom Lechtal ins Inntal
10 km, ↑ 950m, ↓ 400m, 5h
Heute hingen schon am Morgen sehr viele Wolken in den Bergen, was leider auch den ganzen Tag so bleiben sollte. Außerdem wurde die heutige Route aufgrund eines Murenabgangs noch etwas verändert und so brachte man uns morgens mit einem Taxi bis zum Start der Wanderung kurz nach Bschlabs. Nach guten drei Stunden Aufstieg erreichten wir die Anhalter Hütte, die allerdings aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen hatte und auch weiträumig abgesperrt war. Wir legten nur eine ganz kurze Pause ein, da sich ein Gewitter zusammenzubrauen drohte. Nichtsdestotrotz aßen wir unsere belegten Brote und konnten sogar noch zwei Murmeltiere beobachten, bevor es anfing zu regnen. Von nun an gingen wir so zügig wie wir konnten weiter – denn wer ist schon gern bei Gewitter in den Bergen…
Es ging weiter über das Steinjöchl (2198m) bis hinunter zum Hahntennjoch, wo wir an einer Bushaltestelle Unterschlupf fanden, bis der Regen etwas schwächer wurde. Vor lauter Regen hatten wir beim Abstieg wohl eine in der Beschreibung unserer Route erwähnte Abzweigung verpasst, sodass wir jetzt einfach querfeldein über eine Wiese weiter zu Maldonalpe wanderten – unserem heutigen Ziel. Die Maldonalpe ist die Melkalpe der Gemeinde Imst und bietet unglaublich leckere Köstlichkeiten an, alle regional und vor Ort produziert. Nach einer Stärkung wurden wir wieder vom Taxi abgeholt und nach Imst in unsere nächste Unterkunft gebracht. Zu Fuß kommt man von dort aus nämlich nur auf der Passstraße weiter – ziemlich unromantisch und auch gefährlich.
Etappe 3 – wunderbares Ötztal
13 km, ↑ 750m, ↓ 630m, 4,5h
Wir starteten heute in Umhausen, und schauten uns zunächst den Stuibenfall an, welchen man nach gut 45min erreicht. Der Stuibenfall ist mit 159m der größte Wasserfall Tirols. Wir staunten nicht schlecht, als uns klar wurde, dass unsere heutige Wanderung erst über eine 80m lange Hägebrücke zum Wasserfall hin, und dann 700 Stufen zum Wasserfall hinauf führte. Auf verschiedenen Plattformen hat man auf dem Weg immer wieder andere Perspektiven auf die gigantische Wassermenge. Ein echtes Highlight unserer Reise und absolut empfehlenswert!
Oben angekommen ging es weiter bis nach Niederthai und Lehen. Nach einem weiteren Auf- und Abstieg erreichten wir zur Mittagsrast die Jausenstation Wiesle, wo es leckere Käsespätzle für uns gab. Von dort aus ging es auf einem Waldweg wieder hinunter ins Tal bis nach Dorf Espan. Von Dort aus dann mit dem Bus weiter nach Sölden. Mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück, denn trotz Wolken und gemeldetem Regen wurden wir nicht nass.
Etappe 4 – vom Ötztal ins Passeiertal – die Königsetappe
16 km, ↑ 1122m, ↓ 760m, 6h
In Zwieselstein (kurz nach Sölden) startete die heutige Route. Von dort ging es direkt steil bergauf und dann entlang des Timmelsbaches immer weiter das Tal hinauf. Diese Route ist eine originale E5-Etappe, doch wider meiner Erwartungen war überhaupt nichts los auf der Strecke. Außer drei Wanderer und gefühlt 150 Kühen haben wir niemanden getroffen. Der Wanderweg steigt immer weiter an, bis man deutlich oberhalb der Passstraße gen Timmelsjoch marschiert. Oben angekommen (2509m) hat man einen Meilenstein erreicht: Die Grenze zwischen Österreich und Italien! Auf diesen Erfolg hin mussten wir erst einmal was Essen: Timmelsburger mit Pommes und Kaiserschmarrn mit Apfelmus.
An einer alten Zollstation vorbei, die heute nicht mehr als eine verfallene Steinhütte ist, ging es nun stetig bergab. Die letzten 30 Minuten unseres Abstiegs wurde dann eher ein Trailrun aus unserer Wanderung – wir mussten uns richtig beeilen, um den Bus nach St. Martin in Passeier zu erwischen, der fährt nämlich im 2-Stunden-Takt und allzu lange wollten wir dann doch nicht mehr warten. Es ging aber alles gut und am Restaurant Hochfirst erwischten wir unseren Bus.
Etappe 5 – entlang der Waalwege vom Passeiertal bis nach Meran
20 km, ↑ 880m, ↓ 1000m, 6,5h
Am letzten Tag unserer Alpenüberquerung hatten wir nochmal Kaiserwetter. Ab Saltaus im Passeiertal wanderten wir einen Höhenweg entlang, der dann in die Meraner Waalwegrunde überging. Den Kessel von Meran hatten wir dabei relativ bald im Blick, sodass unser Ziel so langsam greifbar wurde. Immer wieder schlängelte sich der schmale Waldpfad kleinere Täler hinein und wieder heraus, bis wir schließlich am Kuenser Waalweg angelangt waren. Diesem folgten wir bis nach Dorf Tirol. Wir kamen an hunderten Apfelbäumen vorbei, die durch das alpin-mediterrane Klima Südtirols mit 300 Sonnentagen im Jahr optimale Bedingungen zum wachsen haben. Auch Weinreben gibt es hier an jeder Ecke. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir durch mein persönliches Paradies wanderten, kamen wir an den Gasthof “Tiroler Kreuz” wo es mit Schluzkrapfen und Hirtenmakkeroni ein verspätetes Mittagessen gab. Von hier an ging es weiter durch das uns bekannte Dorf Tirol bis zum Tappeinerweg, auf dem wir bis nach Meran hinunter spazierten.
Wir haben es also tatsächlich geschafft. Wir sind von Deutschland über Österreich bis nach Italien gewandert. Jede einzelne Tour hatte eine unterschiedliche Landschaft zu bieten und war auf ihre Weise wunderschön. Das tägliche Laufen ist wirklich entschleunigend und hilft, die Gedanken völlig abzuschalten. Außerdem habe ich es als unglaublich befriedigend empfunden, jeden Tag eine gewisse Strecke hinter sich zu bringen und an einem anderen Ort zu landen. Wir haben unsere Reise sehr genossen und würden sie jederzeit wieder machen.
Zum Glück gibt es noch andere Routen über die Alpen!